Social Media langweilt mich.

Ich bin kein Digital Native. Ich bin ein Early Adopter! Hah! Vom sprachlichen Bullshit dieser Begriffe mal weg, arbeite ich seit 2009 in und mit den Sozialen Medien. Ja, bei mir hat alles über die Arbeit angefangen. Schreiben fürs Internet. Mich hat das Thema immer interessiert – die Möglichkeiten schneller Verbreitung von Meinungen und damit auch Meinungsvielfalt. Jedes neue Portal habe ich mitbekommen, wenn auch nicht überall mitgemacht.

Viele, viele bunte Portale in schneller Folge

2009 habe ich meinen ersten WordPress-Blog aufgesetzt. Facebook habe ich mich lange verweigert und bin dann sachte eingestiegen. Klar habe ich zuerst alle Datenschutzeinstellungen geändert. In Twitter habe ich reingeschaut, das Portal für Journalisten – aber warum muss immer so viel geredet werden? Schleichend immer öfter in Facebook. Google+‘ Weg in die mediale Unsichtbarkeit verfolgt. Pinterest, Instagram, Snapchat ist der neueste heiße Scheiß, was bedeutet, dass die Jungen schon die Krise kriegen, weil die Alten und das Marketing jetzt auch Snapchat entdecken. Dumm gelaufen.

Tschö, Facebook

2015 habe ich mein Facebook-Konto wieder gelöscht. Ich habe gemerkt, dass ich immer öfter bei Facebook reinklicke (klare Prokrastination, mir bewusst, aber dennoch). Von einem Freund zum nächsten – ein Seitenbild und ach, schau: Der und der hat das und das geposted. Wobei ich so viele Posts von Freunden gar nicht mehr gesehen habe. Freunde mit echtem sozialen Mitteilungsdrang hatte ich wohl zu wenige. Was die Freunde und die Freunde der Freunde so gepostet haben … och. Lustig, manchmal. Bis auf wechselnde Titelbilder, die ich wirklich mit Liebe ausgesucht habe, habe ich selten gepostet. Und „echt Privates“? Nie.

Firmen dagegen kamen groß und wahnsinnig sympathisch rüber oder zumindest so, wie sich das Unternehmen wahnsinnig sympathisch so vorgestellt hatte. Deren Posts sah man die hippe Social-Media-Redaktion vom ersten Smiley aus an. Aber klar – Unternehmen müssen in Facebook sein, weil es seltsam ist, wenn sie nicht dort sind, und weil das Geschäft gleich nochmals stärker brummt. Ist in vielen Fällen nachgewiesen.

Mein Fazit zu Facebook: Ich klicke immer öfter rein. Ich finde dort nichts Interessantes. Sondern immer mehr Shit. Sogar der Shit ist langweilig. Was soll ich hier?

Sogar der Shitstorm ist langweilig geworden.

Die früheren veritablen Shitstorms, in die besonders Unternehmen schnell und unelegant reingerannt sind, waren gegen den verbalen Müll, der heute komplett Facebook durchzieht, noch richtig spannend, auch beruflich für mich. Wie reagiere ich richtig, wenn ein Shitstorm aufzieht? Wie schön, dass das einzig richtige Rezept Authentizität schien. Sag die Wahrheit. Ok, Du musst nicht alles, wirklich alles, sagen, aber das, was Du sagst, das sollte schon stimmen.

Dann haben die PR-Redaktionen ihre Lektionen gelernt, besetzen ihre Social-Media-Aufpassplätze rund um die Uhr und sind wahnsinnig ehrlich, wahnsinnig offen, wahnsinnig – äääh. Naja. Das geht vielleicht nicht anders.

Ich surfe weiter gern online. Aber Facebook und Co. fehlen mir nicht.