Irgendeiner mäht immer.

Ich lebe in einer Stadt, nicht in der Innenstadt, vielleicht Stadtrand. Sehr schön ist es hier, finden viele. Es gibt in der Nähe meiner Wohnung viele Reihenhäuser mit kleinen Gärten.

Übrigens sind die Reihenhaus-Gärten ja zum großen Glück der Natur mit dafür verantwortlich, dass die Fauna sich ihr Überleben sichern kann. Vögel ohne Ende, Regenwürmer, was eine Natur so alles braucht. Auf dem freien Feld mit seiner Monokultur haben sogar die Bienen nichts zu lachen. Aber das ist ein anderes Thema. Also nichts gegen die Gärten! Für die Natur und die Vögel sind die Reihenhausgärten prima. Für uns alle Städter natürlich auch. Ein Garten!

Ob Menschen Natur brauchen, stelle ich in Frage, denn zumindest in meiner Umgebung sollte die Natur bitt’schön sich nicht wie Natur verhalten, wachsen, verblühen und so. Aber Menschen brauchen offensichtlich Rasen und der will gemäht werden. In der Nähe meiner Wohnung ist auch ein kleiner Bauernhof, aber kein Mensch würde das glauben, weil man den überhaupt nicht hört. Die Reihenhausgärten aber, die hört man.

Irgendeiner mäht immer. Und wenn er fertig ist, fängt der nächste an. Oder schneidet mit der Akkuschere seine Rasenkanten. Oder saugt sein Laub vom Rasen, doch, ehrlich – es gibt nicht nur Laubbläser, sondern auch Laubsauger. Da steht man also auf 20 Quadratmeter Rasen mit einer Art Staubsauger und saugt dort das umliegende Laub hinein. Dann schüttelt man den Laubsaugerbeutel in die normale Mülltonne aus, weil man vor den schmalen Häusern nicht auch noch Platz für eine Biotonne haben mag.

Dabei könnte man auch einfach vor seinem Rasen sitzen und ein bisschen schauen. Wie es wächst oder so.

Und ich? Sitze an meinem Rechner und übe mich in Gleichmut. Aber da übe ich noch ganz schön lange dran. Die Lernaufgaben zum Gleichmut-üben werden in diesem Viertel nie enden.